Friedrichswalde
Geführte Wanderungen und Radtouren durch den Barnim

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01.10.2009

Baumserie: Der vergessene Geburtstag

Ob Eiche, Pappel oder Kiefer - die Oberbarnimer lieben Bäume. Nicht nur, weil sie in einer waldreichen Gegend leben und die Region den Status eines Biosphärenreservates hat. Der Baum ist für viele Symbol des Lebens. MOZ stellt in loser Folge besonders prachtvolle Exemplare vor. Teil 5: die Silke-Buche.

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen - so ähnlich ginge es mitunter Spaziergängern auf der Suche nach der Silke-Buche, erzählt Revierförster Mario Hergt. Sie streifen durch die Eichheide, halten Ausschau, immer wieder - und dann endlich erblicken sie das einzigartige Naturwunder.

Eine imposante Erscheinung, trotz oder gerade wegen ihrer eigentümlichen, skurril anmutenden Wuchsform. Kein gerader, schlanker Stamm, sondern viele Verästelungen. Wie und warum die Buche so gewachsen ist, darüber gebe es keine genauen Erkenntnisse, sagt Revierförster Hergt. Denkbar sei, dass der Baum aus mehreren Pflanzen entstanden ist. Möglich sei aber auch, dass die heutige Form eine Folge von Wildverbiss ist. Ebenso wenig kenne man das genaue Alter der Buche. Obgleich in der Literatur von 250 bis 300 Jahren die Rede ist. "Das Erntealter von Buchen liegt bei 120 bis 140 Jahren. Die Silke-Buche ist definitiv um einiges älter", ist sich Hergt sicher.

Klar seien indes die Abmessungen des Exemplars. Da es sich um ein Naturdenkmal handelt, werde die Buche relativ regelmäßig begutachtet. Unter anderem von der Naturwacht des Biosphärenreservates. Nach deren Angaben ist die Silke-Buche gut 33 Meter hoch, und sie hat - in 1,30 Meter Höhe - einen Stammumfang von mehr als sechs Metern. Ihre Äste sind so stark wie bei einer gewöhnlichen Buche die Stämme. Damit sei die Silke-Buche eine der größten Buchen in Deutschland überhaupt, heißt es.

Trotz seines hohen Alters sei der Baum noch absolut gesund, versichert Mario Hergt. Zu den Pflegemaßnahmen gehöre vor allem das Freischneiden des Standortes. Denn: "Die Krone muss atmen, es muss Licht rankommen." Seit 1999 hat die Silke-Buche auch zwei Paten: Elisabeth und Hartmut Kühn aus dem Schwarzwald haben offiziell die Baum-Patenschaft übernommen.

Neben dem Wild zählt im Allgemeinen vor allem der sogenannte Zunderschwamm zu den Feinden bzw. Schädlingen der Buchen. "Der Zunderschwamm verursacht die Weißfäule." Ist eine Buche davon befallen, sei dies faktisch das Todesurteil. "Dann ist sie nicht mehr zu retten."

Im botanischen Sinne handelt es sich bei der Silke-Buche übrigens um eine Rotbuche. "Gut zu erkennen an den Blättern und natürlich an den Früchten, den Bucheckern", so der Grünrock.

Und woher stammt der Name? Den soll sie einem Förster bzw. dessen Frau verdanken. Nach einer Sage, erzählt Hergt, hat besagter Förster einst den 30. Geburtstag seiner Frau Silke vergessen. Voller Gram habe er beschlossen, sich an dem Baum aufzuhängen. Doch da traf er ein Männlein, das ihm riet, die Buche seiner Frau zu schenken. "Der Förster ging heim und kam mit seiner Silke zurück. Das Männlein hatte inzwischen laut Anekdote eine schöne Geburtstagstafel vorbereitet. Und so feierten sie bis spät in die Nacht. Seither trägt die Buche den Namen Silke", erzählt Hergt.

Damit künftig Spaziergänger nicht mehr umherirren und die Silke-Buche suchen, soll der Weg zum Naturdenkmal ausgeschildert werden. "Wir sind schon mit der Wirtschaftsfördergesellschaft des Kreises, der WITO, im Gespräch", sagt Mario Hergt.

Die Eichheide - das Revier ist gut 1000 Hektar groß - besticht vor allem durch einen recht hohen Laubholzanteil (ca. 40 Prozent). So gibt es allein 189 Hektar mit Eichen.

Viola Petersson/MOZ

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