Spechthausen
Geführte Wanderungen und Radtouren durch den Barnim

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21.07.2007

Eine Mühle, älter als Kloster Chorin

Die Ragöser Mühle hat es schon gegeben, lange bevor das Christentum in den Barnim kam. Das ist aktenkundig. Das Anwesen gehörte nämlich zu jenen Immobilien, die die Markgrafen Johann und Otto bei der Stiftung des Klosters Mariensee den Mönchen überschrieben. Also den Erbauern und Bewohnern der Abtei auf der Insel Pehlitzwerder im Parsteiner See.

Das denkwürdige Ereignis fiel in das Jahr 1258. Die Fürsten erhofften sich von den Zisterziensern nicht nur ewiges Seelenheil für sich und ihre damals meist slawischen und damit weitgehend heidnischen Untertanen. Nein, es ging ihnen mit dem Klosterbau auch um die Sicherung des brandenburgischen Nordostens vor Einfällen aus dem Norden und dem Osten und es lag ihnen die Urbarmachung des Landes durch die Ordensbrüder am Herzen.

Gerade mal ein gutes Dutzend Jahre hielten es die Mönche auf der Insel aus. Dann zogen sie weiter, um das Kloster Chorin aufzubauen. Und wieder wurde ihnen die Ragöser Mühle als Besitz bestätigt wie auch das gleichnamige Dorf. Während die Ragöse allerdings noch Jahrhunderte später das Mühlrad antrieb, verschwand die slawische Ortschaft. An ihrer Stelle erhebt sich heute die stimmungsvolle, gotische Klosteruine. Die Kirche des Dorfes und andere Siedlungsreste hat man inzwischen bei Ausgrabungen nachgewiesen.

Auch von der Ragöser Mühle sind nur noch Ruinen vorhanden. Aber romantisch ist der Ort immer noch. Das Mühlenwehr ist sehenswert. Die historische Mühle stand allerdings an der heutigen Bundesstraße B 2. Das gesamte Anwesen wurde nach einem Brand noch zu Zeiten des "Soldatenkönigs" etwa 250 Meter bachaufwärts verlegt. In der Mühle soll sogar einmal ein märkischer Fürst gearbeitet haben. Als Mühlenknecht. Und weil ja in der Regel Fürsten nicht körperlich arbeiteten, ist der gesamte Vorgang wohl besser im Bereich Heimatsage aufgehoben. Dieser Jakob Rehbein muss dem 1319 verstorbenen Markgraf Waldemar recht ähnlich gesehen haben. Deshalb haben ihn die Choriner Mönche für den Fürsten ausgegeben. Mit Erfolg, denn eine längere Zeit war dieser Doppelgänger wirklich brandenburgischer Landesherr. Als "Falscher Waldemar" ist der Mühlenknecht in die Geschichte eingegangen.

Gewissermaßen auf historischem Gelände steht auch das Hotel Mühlenhaus. Es war einst die Schnitter-Kaserne, das Wohnhaus der Landarbeiter auf Gut Sandkrug. Noch bis in die 70er Jahre wohnten hier die letzten Familien. Dann wurde das Gebäude zum Ferienheim des Staatsgutes Sarnow umgebaut. Seit 1990 betreibt die Familie Wietzke das Hotel.

Erst war Peter Wietzke der Chef, jetzt ist das Sohn Michael. 1994 wurde das Haus grundlegend modernisiert, so dass es nunmehr zur 3-Sterne-Hotel-Kategorie gehört. 32 Zimmer stehen den Gästen zur Verfügung. Der Einstiegspreis für ein Doppelzimmer mit Frühstück liegt bei 55 Euro. Ein Wochend-Aufenthalt mit zwei Übernachtungen, Halbpension sowie Sauna-Vergnügen kosten gerade mal 80 Euro.

Küchenchef ist Roland Paulick. Er favorisiert eine ländliche Küche, bei der Wild und Fisch ganz vorn stehen. Vieles an Fisch bezieht man von den Fischer aus Angermünde, die Maränen kommen vom Werbellinsee-Fischer Wolf aus Joachimsthal.

Das ganze Jahr über ist Wild zu zu haben. Zum Rehbraten in Rotweinsoße mit grünen Bohnen im Speckmantel werden böhmischen Klöße gereicht, zum Wildgulasch Thüringer Klöße. Beide noch richtig "handgefertigt". Noch ein Tipp zur der so genannten kalten Küche. Es gibt Hackepeter - ganz frisch zubereitet. Schade, dass sich Hackepeter und "Tartar" in den letzten Jahren recht rar in der Barnim-Gastronomie gemacht haben!

Die Speisekarte wird etwa alle sechs bis acht Wochen gewechselt. Eine feste Größe ist jeweils der erste Sonntag im Monat. Von 10.30 bis 13.30 Uhr laden Michael Wietzke und sein Team zum Brunch ein. Jedesmal unter einer anderen kulinarisch-regionalen "Schlagzeile". Am 5. August präsentiert sich das Saarland. Da muss man sich schon anmelden.

Inzwischen ist das Mühlenhaus auch zu einer guten Adresse in Sachen Familienfeiern geworden. Vor kurzem hat hier ein Paar Diamantene Hochzeit gefeiert. Noch etwas bleibt nachzutragen. Weshalb der Name Seehotel?

Gleich hinter dem Hotel breitet sich der Heilige See aus. Ein Mönch aus dem Kloster soll anno dazumal in dem Gewässer seine Bibel verloren haben. Ob wahr oder nicht - eine himmlische Gegend ist der Landstrich um Chorin allemal.

Lars Franke, MOZ

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