"Der Bahnkunde wird davon aber nichts spüren", so Huth. Zunächst einmal bleibe es bei den Einschränkungen auf der Strecke Eberswalde - Britz. "Sobald Gleis 2 am Netz ist, wird Gleis 1 noch einmal außer Betrieb gesetzt." Die Oberleitung des östlichen Schienenstrangs ist im Bereich des Tunnels nämlich noch stromlos. "Die Züge fahren im Moment mit Schwung durch die Unterführung", erklärt der WSA-Mitarbeiter. Folglich müsse der stromlose Abschnitt umgerüstet werden. "Ab September ist die Strecke dann voll ausgebaut und könnte mit 160 km/h befahren werden." Wirksam werde die Beseitigung des Engpasses auf der Linie Berlin - Stralsund allerdings erst mit dem Fahrplanwechsel der Bahn im Dezember 2007.
Damit hätte das WSA trotz einer Bauverzögerung von etwa vier Monaten den Termin gegenüber der Deutschen Bahn AG gehalten. "Aufgrund einer neuen bautechnischen Norm mussten in die Kreuzungsanlage erheblich mehr Mengen Bewehrungsstahl eingebaut werden", erklärt der Fachmann den leichten Verzug und betont zugleich, dass sich die Gesamtkosten durch diesen zusätzlichen Materialeinsatz nicht erhöht hätten.
Unterdessen haben auch die Arbeiten für die letzte Bau-etappe des 50-Millionen-Euro-Vorhabens am Oder-Havel-Kanal begonnen. Dazu gehören der Bau der Südrampe für die neue Dusterwinkelbrücke, der Bau des Otterdurchlasses sowie der Abriss der alten Dusterwinkelbrücke. Der Damm der Südrampe über den alten Arm des Kanals ist bereits geschüttet. Autofahrer erkennen so den künftigen Verlauf der Landesstraße 237 (Eberswalde - Britz). Im Herbst sei für die Arbeiten eine dreiwöchige Vollsperrung der Straße nötig, die rechtzeitig bekannt gegeben werde, kündigt das WSA schon mal an.
Im November soll es an dieser Stelle heißen: Fahrt frei! Der Verkehr rollt dann nicht mehr über zwei Brücken, wie im Moment, sondern nur noch über die neue Dusterwinkelbrücke. "Die alte Brücke wird bis Mai 2008 abgerissen", so Huth.
Im Bereich des alten Kanals erhält die Südrampe an der Sohle einen Otterdurchlass, der zu den größten im Land Brandenburg zählen wird. Der Tunnel werde insgesamt 38 Meter lang sein, eine lichte Höhe von 4,45 Meter und eine lichte Weite von 5,84 Meter haben. So könne der Otter wahlweise schwimmend oder "trockenen Fußes" queren, sagt Huth.
Danach stehen für den Bauherrn nur noch die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an. Zum Teil werden diese auf dem Gelände realisiert, zum Teil außerhalb. Mit den Pflanzarbeiten findet 2008 ein Projekt seinen Abschluss, das im September 2003 begann. Im Behördendeutsch dröge als "Ersatzneubau der Kreuzungsanlage zwischen dem Oder-Havel-Kanal und der Bahnlinie Berlin - Stralsund" bezeichnet, realisierte das WSA mehrere, teilweise spannende und technisch äußerst anspruchsvolle Teilprojekte. Da war nicht nur eine Brücke zu bauen. Da war vor allem auf einer Länge von 2,3 Kilometern ein neues Kanalbett zu schaffen, die Wasserstraße wurde "verlegt", da war für die Bahn ein Tunnel zu errichten ... "Und das alles bei laufendem Betrieb", macht Huth eine der größten Schwierigkeiten deutlich.
Der Oder-Havel-Kanal wird das WSA aber auch künftig beschäftigen. "Dann geht es im Abschnitt Marienwerder - Niederfinow weiter, mit Instandsetzungen und der Vergrößerung der Wassertiefe", so Huth.
VIOLA PETERSSON, MOZ<<< zurück

