Er wollte die Schorfheide sehen. In ihrer ganzen Schönheit - und Ausdehnung. Wo ginge dies besser als aus luftiger Höhe? Vom dem Dach des alten Wasserturmes Joachimsthal, erste Station des Besuchsprogramms, hatte Dietmar Woidke trotz etwas diesigen Wetters einen guten (Über-) Blick. "Das ist heute britisches Wetter", scherzte Turmherr Richard Hurding, der gemeinsam mit seiner Frau Sarah Phillips den Minister erstmals beim Biorama-Projekt begrüßen konnte.
"Hier oben kann man wirklich sehr schön sehen, dass die Schorfheide das größte zusammenhängende Waldgebiet Norddeutschlands ist", erklärte Eberhard Henne, Chef der Biosphäre, dem Gast. Aber nicht nur der Ausblick begeisterte Woidke. Auch die Fahrt mit dem Lift im "Roten Turm" war für den Potsdamer ein Erlebnis. "So etwas habe ich überhaupt noch nicht gesehen." Woidke vermutete sogar, dass die Kombination Fahrstuhl - Aussichtsplattform etwas Einmaliges in Deutschland sein könnte.
"Minister Woidke besucht regelmäßig die Großschutzgebiete im Land. Auch in der Biosphäre war er schon oft. Aber eigentlich immer nur punktuell. Heute hat er sich das erste Mal einen ganzen Tag Zeit für eine Reise durch die Schorfheide genommen", erklärte Klaus Pape von der Biosphäre zwischendurch. "Schwerpunkt ist dabei die nachhaltige Regionalentwicklung."
Genau dafür steht Biorama, vom Land mit 240 000 Euro gefördert. Pfingsten 2006 als Plattform eröffnet, wurden bislang rund 19 000 Gäste gezählt. Das Konzept scheint aufzugehen. "Die Leute kommen vom Kaiserbahnhof zu uns. Und wir schicken unsere Besucher dorthin. Die Kooperation funktioniert sehr gut", lobte Phillips. Ungeachtet dessen seien die Türme nur der erste Teil des Gesamtprojektes Biorama. "Es muss weitergehen. Die Gäste fragen: Und was gibt's hier noch?", berichtete Hurding. Geplant und dringend notwendig seien die Sanierung und der Umbau der Weißen Villa, ließen die britischen Turmherren Minister Woidke wissen und zeigten dem Gast bereits die Entwürfe.
Nach denen soll die Villa u. a. zu einem Freilufttheater und -Kino umgestaltet werden. "Hotels und Pensionen gibt es genug in der Stadt und der Region. Wir wollen Kunst- und Kulturangebote schaffen", so Phillips. "Wir könnten auch Fördermittel bekommen. Wir genießen Priorität. Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Eigenmittel zusammenkriegen. Das ist das Problem." Das Programm laufe bis 2013, erklärte Woidke. Insofern brenne noch nichts an. Doch der Zustand der Villa duldet keinen großen Aufschub. Davon konnten sich die Gäste beim Rundgang überzeugen. "Anfang der 90er Jahre hatten wir sogar mal überlegt, hier den Sitz der Reservatsverwaltung einzurichten", verriet Pape. Die Übernahme scheiterte jedoch an den finanziellen Vorstellungen des damaligen Eigentümers. "Ich bin überzeugt, dass es Sarah und Richard gelingt, auch dieses verrückte Vorhaben zu realisieren", gab sich Eberhard Henne zuversichtlich.
Ein weiteres erfolgreiches Beispiel nachhaltiger Entwicklung lernte Dietmar Woidke in Glambeck kennen, das für sich als "Grünes Herz der Biosphäre" wirbt. Auch dort ging es für den Minister hoch hinauf - und zwar zur Glocke in der kleinen Dorfkirche. Der Minister durfte das bronzene Exemplar aus dem Jahr 1772, das Original, läuten - kein Problem für ihn. "Das mussten wir schon in der Christenlehre machen", bekannte er und leistete so einen Beitrag zum Glambecker Dreiklang aus Natur, Geschichte und Kultur.
Doch was wäre die Schorfheide ohne Bäume? Im Grumsiner Forst zeigte Henne dem Minister jenes Buchenwaldgebiet, das vielleicht schon bald das Prädikat "Weltnaturerbe" trägt. Das Areal, rund sechs Quadratkilometer groß und mit oft 160 Jahre alten Baumriesen im Bestand, ist eines von fünf deutschen Teilgebieten, für die dieser Status beantragt ist. "Dieser Buchenwald hier wäre das erste Naturwaldgebiet in Brandenburg mit weltweiter Ausstrahlung", erklärte Henne. Eine Diskussionsrunde mit Öko-Bauern in Angermünde bildete den Abschluss der Exkursion.
VIOLA PETERSSON, MOZ<<< zurück

