Spechthausen
Geführte Wanderungen und Radtouren durch den Barnim

News

09.09.2007

Drei Tage für 750 Jahre

"Die Stimmung ist toll", brachte es Frank Nicolai auf den Punkt. Und dies war nicht nur so dahin gesagt. Denn den ganzen Tag über zogen Wolken über den Barnim hinweg, und manchmal tröpfelte es auch. Doch daran störte sich niemand. "Es ist einfach schön hier", fand Martina Finkemeyer. "Es ist für jeden etwas dabei."

Bereits am Vorabend hatte die Gruppe City den Weg der guten Laune eingeschlagen. Das Publikum - darunter eingefleischte City-Schlachtenbummler - kam schnell in Fahrt und erlebte ein mitreißendes Konzert. Es war ein Geschenk von E.ON edis. Und 8000 Menschen waren vor der Bühne, das hieß, viele Besucher waren aus anderen Orten zu der 750-Jahrfeier gekommen.

Für den Festumzug am Sonnabendvormittag war die Bundesstraße 2 für den Verkehr gesperrt worden. Ortsbürgermeister Manfred Timreck war in die Rolle von Otto I. geschlüpft und schritt so samt Gattin und Gefolge dem Umzug voran. Dieser setzte sich in Höhe der Schule in Bewegung und zog dann bis zur Kirche und weiter zum Feuerwehrgerätehaus. Die Zuschauer, die am Straßenrand Spalier standen, konnten in knapp 60 Minuten einen einfalls- und abwechslungsreichen Marsch durch die 750-jährige Geschichte des Dorfes nacherleben (siehe auch Seite 16). Anwohner, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Schulen, Vereine, Unternehmen und viele andere beteiligten sich, darunter auch Gäste aus nah - insbesondere aus Zepernick - und fern - nämlich aus Partnergemeinden.

Als der Umzug zu Ende war, hatte der Förderverein der Dorfkirche Schwanebeck Stress. Fast im Handumdrehen war der selbst gebackene Kuchen verkauft. Und das waren nicht weniger als 40 Bleche gewesen. "Die sollten eigentlich noch für den Sonntag reichen", sagte Ingrid Schmidt. Und obwohl der Förderverein selbst Besuch aus der Partnergemeinde hatte, wurde überlegt, wie noch für Nachschub gesorgt werden könnte.

Wer ins Mittelalter eintauchen wollte, der hatte reichlich Gelegentheit dazu bei den Bernauer Briganten und dem Spielwütigen Gesinde aus Berlin, die auf dem Kirchengelände ihr Lager aufgeschlagen hatten und dort ihr Programm zeigten.

Was bei einer 750-Jahrfeier nicht fehlen darf, ist eine Ausstellung über die Geschichte des Ortes. Der Geschichtsverein "Heimathaus" hatte eine ansprechende Exposition vorbereitet. Mit Fotos älteren und neuesten Datums sowie anhand von Karten verschiedener Jahrgänge brachte er den Besuchern schwerpunktmäßig die Siedlungsgeschichte der vergangenen 100 Jahre näher. Ein Kompliment konnte Karl Liebscher vor allem jüngeren Besuchern machen: "Sie haben großes Interesse an der Geschichte Schwanebecks. Das freut mich sehr."

Anhand der Karten wurde auch eine Schwanebecker Besonderheit nachvollziehbar. Die neuen Siedlungen entwickelten sich nicht vom Ortskern her, sondern in großem Abstand zu ihm. "So lagen die Wohnhäuser näher an der Bahn", erklärte Peter Pohl und schob eine zweite Antwort hinterher: "Und die Bauern hatten es nicht so weit zu ihren Feldern." Die Bahn, das war die Verbindung Berlin-Stettin, die die Grundlage für die rasante Entwicklung des Ortes vor 100 Jahren bildete. Und an den Karten konnte auch nachvollzogen werden, dass der heutige Berliner Ring einstmals bei Schwanebeck als Bernauer Schleife, der internationalen Rennstrecke, endete.

Viel Anerkennung fanden die Luftaufnahmen von Karl Liebscher, der einen Panoramarundblick zeigte und dabei zum Teil mit deckungsgleichen Karten verglich. Von Interesse ist die Ausstellung für alte wie neue Schwanebecker. Die einen konnten die Ansichten durch eigene Erinnerungen - besonders eine Dia-Schau der 700-Jahrfeier trug dazu bei - ergänzen, die anderen hatten die Chance, das 750 Jahre alte Schwanebeck näher kennen zu lernen.


Olav Schröder/MOZ

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