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01.12.2007

Das zweite Leben eines Wahrzeichens

Der Finower Wasserturm erlebt am Dienstag eine Wiedergeburt. Das 48 Meter hohe Wahrzeichen von Finow ist in den vergangenen vier Jahren für mehr als 800 000 Euro saniert worden. Vater dieses erfolgreichen Kraftakts in Sachen Denkmalschutzes ist der Vorsitzende des Fördervereins Finower Wasserturm und sein Umfeld, Arnold Kuchenbecker.

Der betreuende Ingenieur Thomas Steier von der Finower Planungsgesellschaft fasste den Zustand des Wasserturmes 2004 so zusammen: "Der Patient litt an Skelettschäden, an einer lebensgefährlichen Hautkrankheit und er hatte einen Dachschaden." Heute sind diese Leiden behoben. Das Dach wurde saniert und abgedichtet, ein neuer Umlauf aufgesetzt, die innenliegenden Betonträger saniert und 20 000 gelbe Reichsformat-Ziegel der Fassade ausgetauscht.

"Eigentlich sieht der Turm heute wieder so aus, wie vorher", sagt Steier mit einem Blick nach oben. "Eben", scherzt Kuchenbecker, "es ist nicht mehr viel zu sehen. Was haben wir in den vergangenen vier Jahren eigentlich gemacht?"

Hin- und hergerissen ist Arnold Kuchenbecker. Er freut sich riesig, das das Bauwerk wieder frost- und regensicher und vor allem begehbar ist. Wenige Tage vor seinem 63. Geburtstag darf er zusammen mit Bürgermeister Friedhelm Boginski und einem Nachfahren der Bauherren von 1917, der Unternehmerfamilie Hirsch, den sanierten Turm für die neue Nutzung einweihen.

Schon in der nächsten Sekunde schüttelt Kuchenbecker wieder ungläubig den Kopf: "Es war zugegeben eine Schnapsidee. Ich suchte eigentlich ein neues Zuhause für meine Ausstellung über das Messingwerk, die irgendwann aus dem Eichamt Finow ´raus muss. Dass es wirklich geklappt hat, so viel Geld von den Sponsoren, Fördermittel-Gebern und der Stadt zu sammeln, um den Turm vor dem Verfall zu retten - ich kann es noch immer nicht glauben."

Die Liste der Geldgeber und Unterstützer ist lang und lässt erahnen, was der Verein an Überzeugungsarbeit und Anstrengungen für das Einwerben der Mittel geleistet hat. Die Stadt hatte in schweren finanziellen Zeiten Geld in den Haushalt eingestellt. Unterstützt haben auch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die G.&H. Murmann-Stiftung, drei Landesministerien, die städtische Wohnungsbaugesellschaft, die Technischen Werke sowie die Stadtwerke, das Barnimer Job-Center, viele Privatpersonen, Vereine, Schüler ....

Bei all jenen will sich Kuchenbecker am Dienstag bedanken und, da bleibt er sich treu, um weitere Unterstützung bitten. "Wir haben die Hälfte des Geldes für einen Fahrstuhl zusammen. Unser Ziel ist, dass der 2009 eingebaut wird. Schließlich sollen auch ältere Menschen den Ausblick auf das Finowtal und bei guten Tagen bis Berlin genießen." Für das Ziel hat Kuchenbecker schon 73 der 108 Wasserturmfenster symbolisch an Sponsoren "verkauft". Die Einnahmen von je 200 Euro kommen der Fahrstuhl-Finanzierung zugute

Als Schulkind war Kuchenbecker das erste Mal oben. "Wir durften nur einzeln auf den schmalen Umgang. Aber der Blick war wunderschön", erinnert er sich. Heute ist der neue Umlauf so breit, dass bequem zwei Besucher nebeneinander stehen können. Vorerst soll der Turm auf Anmeldung beim Verein bestiegen werden dürfen, später ist an feste Öffnungszeiten in der Saison gedacht.

Der zur Versorgung der Industriesiedlung gebaute Turm ist außer Betrieb, ein Hingucker und das Wahrzeichen im Finowtal ist er geblieben. Die Nationalsozialisten nutzten das monumentale Bauwerk für eindrucksvolle Aufmärsche und schmückten es mit Hakenkreuzen und Fahnen. Die späteren Machthaber verewigten SED- und FDGB-Embleme am Turm. Den 260 Stufen hohen Aufgang sperrten sie jedoch. Keiner sollte von dort oben auf benachbarte NVA-Gelände oder den Flugplatz der Sowjets schauen können. "Es wäre mein Wunsch, dass der Turm nie wieder politisch missbraucht wird", ist Kuchenbeckers Credo.

Mit dem Wasserturm wurde auch der Gedenkhof an die 162 im Ersten Weltkrieg gefallenen Messingwerker saniert und wieder begehbar gemacht. Die nachträglich angebaute Tribüne ist abgerissen. An die Erbauer des Turmes erinnert eine Tafel, die feierlich im Beisein von Neft Hirsch aus Israel, Urenkel des Fabrikanten Gustav Hirsch, angebracht wird.

Fest zur Einweihung des sanierten Finower Wasserturmes: Dienstag, 4. Dezember, 14 Uhr. Weitere Infos unter www-wasserturm-finow.de.


Michael Dietrich/MOZ

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