Erste Siedlungen gab es nachweislich vor 3.500 – 2.500 Jahren in
der Joachimsthaler Gegend. Bewiesen ist dies mittels Hügelgräbern
in der Gegend um Ringenwalde. In den Flächennutzungsplänen sind
diese Hügelgräber aber nicht verzeichnet, um Plünderungen
zu vermeiden. Zuerst waren dies Germanenstämme.
Zur Völkerwanderung sind zwischen 500 – 700 die Germanen aus
diesem Gebiet abgezogen und die Slawen hielten Einzug. Sie siedelten vor
allem an Seen. In der Ortschaft Britz hatten sie sich nachweislich aufgehalten
(Ragöse). Ein weiterer Aufenthaltsort war Oderberg. Am Grimnitzsee
sind Gräberfelder mit Funden von Tongefäßen belegt (Mischengraben).
Erst ab dem 12. Jh. sind Aufzeichnungen bekannt. Mitte des 13. Jh.
war die Grenze zu Vorpommern entlang der Welse. Diese entspringt bei
Joachimsthal und fließt über den Grimnitzsee weiter in die
Uckermark oder entspringt in der Nähe des Pressnicksees in der
Nähe von Friedrichswalde/ Parlow. Das ist noch nicht genau geklärt.,
denn die Quelle ist immer am höchsten Punkt. Zum Schutz der Quelle
und der Siedler wurden Burgen gebaut. Erwähnenswert sind hier vor
allem die Burg Grimnitz – erste schriftliche Aufzeichnungen 1281,
1247 erbaut; die Burg Werbellin, Askanierturm und die Burgreden, ehemalige
Försterei Altenhof. Der Ort Altenhof diente der Versorgung von
Joachimsthal und der Burg Grimnitz. 1535 wurde an der Burg Grimnitz
eine neue Kemenate gebaut. 1250 fiel die Grenze zwischen Brandenburg
und Vorpommern. Teile Vorpommerns sind an Brandenburg gefallen.
Zu Grimnitz gehörten: Friedrichswalde, Parlow (Schmelze), Schmargendorf,
Grumsin, Wildau (OT von Eichhorst) und Altenhof. Die genannte Region
war markgräfliches Eigentum als Askanische Burgen ( Markgraf der
Bär). Ende 1318 als der letzte Kurfürst dieser Linie verstarb,
begraben in Chorin, tauchte der „Falsche Waldemar“ –
angeblich Teilnehmer an den Kreuzzügen auf Er war eine wichtige
Stimme für die Königs – und Kaiserwahl.
Die Region galt als Platz für Holzhandel der markgräflichen
und Kurfürstlichen Zeit. Die Heidereiter - hohe Verwaltungsbeamte
der Kurfürsten, eingesetzt ab 1530, sind namentlich bekannt. Diese
hatten Gesetze und Erlasse durchzusetzen.
Grimnitz hatte dafür zu sorgen, dass der Hof mit Fleisch, Fisch
u.a. Produkten versorgt wurde. Hierfür gibt es belegte Bestellungen.
Die jeweiligen Waldweide waren in den verschiedenen Walgebieten der
damaligen Gemarkung Grimnitz. Viehherden wurden sogar aus Biesenthal
und Templin auf diese Waldweiden getrieben. Dafür mussten die Viehbesitzer
Gebühren an den Kurfürsten zahlen.
Alle Orte in dieser Gegend waren eingezäunt, um die Pflanzen vor
den Haustieren und Wild von Frühjahr bis Herbst zu schützen.
In der Nachfolgezeit entstanden viele Gewerke in den Siedlungen und
Einzelgehöften. Der Kurfürst hatte von ca. 1570 – 90
einen Laibarzt, namens Thurnheisser. Dieser war Alchimist aus Basel
und kurierte die Frau des Kurfürsten während eines Aufenthaltes
in Frankfurt /O.. Thurnheisser kümmerte sich außerdem um
die Glasherstellung, Druckkunst. Erhatte selbst als Unternehmer 200
beschäftigte. Als Alchimist experimentierte er mit den „Körpersäften“
und verstand es daraus Geld zu machen. Seine Forschung hat die Medizin
weiter gebracht. Auch früher war Medizin teuer und nicht jeder
konnte sich diese leisten.
Er vergoldete einen Eisennagel. Leider war er seiner Frau nicht treu
und schickte diese zurück nach Basel. Das erzürnte die Verwandtschaft
und er musste 32 Fuder Wertsachen als Widergutmachung schicken. Das
hat ihn fast ruiniert.
Erste Chroniken über Joachimsthal gab es erst ab ca.1590. Nach
Kurfürst Johann Georg 1571 –1598 übernimmt sein Sohn
Joachim Friedrich die Regentschaft von 1598 – 1608. Dieser war
Erzbischof (eigentlich Administrator, da lutheranischen Glaubens) von
Magdeburg mit Sitz auf Schloss Moritzburg bei Halle. Joachim Friedrich
(J.F.) hat versucht die Wirtschaft zu steigern. 1601 entschloss er sich
die erste Glashütte errichten zu lassen. Ein Herr Friedrich erhielt
den Auftrag dazu. Der Münzmeister des Kirfürsten von Rehmen
hatte die Aufgabe dazu aus den böhmischen Randgebieten Aschebrenner
und Glasmacher anzuwerben. Dazu war Asche aus Holz notwendig, die zu
Pottasche verarbeitet wurde, um den Glasfluss besser zu gestalten. Auch
Haushaltsasche wurde verstärkt benötigt und eingesammelt.
1/3 der Glasproduktion bestand aus Altglas, das eingeschmolzen wurde.
Außerdem waren Ton und Holzformen notwendig. Ton wurde zu Schmelztiegeln
verarbeitet und Holzformen zur Glasherstellung notwendig. Die meisten
Arbeiter stammten aus Warnsdorf bei Seifhennersdorf. Weihnachten 1601
war die Glashütte fertig. Von Rehmen brachte auch blaues Glasfärbemittel
aus dem Erzgebirge mit. Es ist nachgewiesen, wie viel er auf seiner
Dienstreise Geld verbrauchte.
Im Frühjahr 1602 beginnt die Produktion ab 1703 Flecken Joachimsthal
genannt, die bis 1707 dauerte. Es wurden Glasscheiben, Gebrauchsglas,
Vasen, Apothekergläser, Waldglas mit grüner Einfärbung
u.v.a. hergestellt. 1703 wurde ein Glasschreiber eingestellt, der die
gesamte Produktion dokumentierte.
Das bekannteste Glas steht im GRÜNEN GEWÖLBE unter dem Begriff
„Kurfürstenbecher“. 1602 gab es ein Edikt von J.F.
, welches festlegte, dass die Glashütte Grimnitz als Alleinhersteller
fungierte. Glaseinfuhr war verboten. Als Anschauungsmaterial diente
Glas aus Venedig. 1602 wurden Glasmaler eingestellt, die mit Emaillefarben
die Glaswaren verzierten. Wenn das flüssige Glas bei 1400 –
1600 ° C musste das flüssige Glas zu jeder Tages – und
Nachtzeit verarbeitet werden. Deshalb hatten Glasmacher keine feste
Arbeitszeit. Der Arbeitslohn lag aber über dem Durchschnitt und
deshalb waren die Waren relativ teuer.
Ein weiteres Verdienst kam J.F. beim Bau des Finowkanales 1603 zu. Er
war die älteste künstliche Wasserstraße nördlich
der Alpen!
Es gibt im Heimatmuseum Templin Hinweise auf die Produktion von Pech
und Teer während der Amtszeit von J.F.
1607 wurde die Glasproduktion in die Neumark ( Frankfurt /O. und hinter
der Oder) verlagert.
Nach dem 30 – jährigen Krieg waren die Landflächen in
den Wäldern durch Bäume wieder zugewachsen. Es entstanden
wieder Glashütten. Wenn das Holz verbraucht war, zogen die Hütten
weiter u.a. von Althüttendorf nach Neugrimnitz. Mit der Einführung
der Stein – und Holzkohlebefeuerung und moderneren Technologien
in der Glasherstellung wurden diese Glashütten überflüssig.
Ab 1703 wurden Glasstempel mit dem Ort und Jahreszahl gesetzlich eingeführt.
Im Pfarrgarten und der Schulstraße in Joachimsthal wurden bei
Bauarbeiten, ebenso wie beim Straßenbau von Neugrimnitz Glasbrocken
gefunden.
Im Jahr 1604 wurde die Stadt Joachimsthal gegründet. Dies war
notwendig geworden, da sich Handwerker nur in Städten ansiedeln
durften. Die Handwerker erhielten ein Haus, 3 Morgen Acker und Wiesenland
zur Verfügung. Die Walkmühle am Wasserfall (in der Nähe
vom Kaiserbahnhof) war mit 4 Wasserrädern ausgerüstet. Hier
wurden Stoffe gewalkt. Sie diente auch als Getreidemühle und Schneidemühle.
Es gab auch noch die Glambecker Mühle in Richtung Künkendorf.
Die Stadt Joachimsthal hatte das Braurecht für jeden Bürger,
der dies angemeldet hatte. Denn Bier war zu dieser Zeit ein Lebensmittel.
Zuvor hatte schon Grimnitz das Braurecht. Außerhalb stand der
Sandkrug (Schankwirtschaft)mit noch vorhandenem Keller – heute
ist hier das Bürgerbüro des Biosphärenreservates zu finden.
Joachimsthaler Bürger durften Hopfen auf lehmigen Boden anbauen.
Vorkaufsrecht hatten hier die kurfürstlichen Bediensteten. Es war
ein Pfarrer anzustellen und Unterricht für Joachimsthaler Kinder
zu garantieren.
1601 nahm J.F. Kontakt mit der Viadrina auf. Es entwickelte sich im
Laufe der Jahre ein Geisteszentrum in Joachimsthal. Es gab viele Kolgien
mit den Universitätsprofessoren. Mit Erlass der Kurfürsten
wurde an einem ruhigen Ort die Schule für 120 Jungen und 50 Pensionäre
mit Internat gebaut (jetzige Amt – und Stadtverwaltung) und am
23./24.August 1707 eingeweiht. Einen Tag zuvor wurde die Kirche, nach
Ihrem Brand 1814 ein Schinkelbau, geweiht.
Im Besitz des Gymnasiums befanden sich das Kloster Dambeck bei Stendal
alle Glashütten u.a. Die Kosten des Schulbesuches richteten sich
nach Zahlungskräftigkeit. Voraussetzung war, das die Jungen schon
lesen und schreiben konnten. Beginn mit ca. 15 Jahren für 3 Jahre.
Meist wurden die Jungen als Beamte oder Pfarrer in ganz Brandenburg
eingesetzt. Über die Bekanntesten gibt es Nachweise. Es gab auch
freie Stellen, so u.a. der Sohn des Bauern Jänicke aus Grimnitz
im Jahr 1717. Die Papiermühle Zehdenick hatte ausreichend Papier
für den Unterricht zur Verfügung zu stellen. Jährlich
durfte auf der Leipziger Messe für 50 Taler Bücher gekauft
werden. Das Erste Gymnasium hatte die erste öffentlich zugängliche
Bibliothek Brandenburgs. Das Gymnasium hatte unter anderem die Aufgabe
brandenburgische Kirchenbücher u.a. Werke zu zensieren. Später
wurde ein Teil der Schüler auch in Berlin ausgebildet. Während
des Krieges mussten die Schweden 3 Anläufe nehmen, um die Schule
zu stürmen und 1636 auszuplündern. Die Schüler und Lehrer
gelangten über Angermünde nach Berlin. Zuerst war das Gymnasium
im Berliner Stadtschloss in der Burgstraße untergebracht. 1880
zog es nach Wilmersdorf, heute ein Stadtteil von Berlin. 1912 bis 1956
kam das Gymnasium nach Templin. Es wurde als päd. Lehrerbildungsinstiutut
genutzt. Jetzt steht es am See leer herum. Vor kurzem wurde es von einem
Investor erworben, ob etwas daraus wird die Zukunft zeigen. Jetzt gibt
es wieder ein Gymnasium in Joachimsthal, welches vom Arbeiter Samariter
Bund als freies Gymnasium betrieben wird. Dort findet Montag bis Donnerstag
von 08.00 – 16.00 Uhr und Freitag von 08.00 – 14.00 Uhr
Unterricht ab Klasse 7, mit maximal 20 Schülern pro Klasse, statt.
Noch einige Informationen zu Joachimsthal selbst. Nach dem großen
Brand im Jahr 1814 bei kamen neben der Kirche und dem Gymnasialbau auch
39 Gehöfte zu Schaden. Ursache war der Brandausbruch beim Bürger
Simon. Da der Wind ungünstig stand, kam es zu diesem Großbrand.
Zum Glück kamen aber keine Menschen zu Schaden. Auch früher
mahlten die Beamten Mühlen schon langsam, deshalb dauerte die Schadensregelung
viele Jahre. Es ist schriftlich nachgewiesen, dass das Königliche
Regierung in Potsdam 1825 noch Schadensfälle bearbeitete. Zuerst
wurden Scheunen und Ställe wieder aufgebaut. Viele Urkunden sind
verbrannt. Aus der Kirche wurde wurden die Bücher gerettet.
Joachimsthal entwickelte sich zur Ackerbürgerstadt. 49 Gehöfte
durften Schnaps brennen. Jeder konnte Bier brauen. Es stand die Forderung
Templin und Joachimsthal an die Eisenbahn anzubinden um die wirtschaftliche
Entwicklung voran zu treiben. 1892 wurde mit der Stettiner Eisenbahngesellschaft
Kontakt aufgenommen, um die Städte an die Berlin – Stettiner
Strecke von Eberswalde aus anzuschließen. 1896 waren endlich die
rechtlichen (Streckenführung) und finanziellen Grundlagen geschaffen.
1896/97 war sicher ein milder Winter denn die Bauarbeiten konnten ohne
Pause geführt werden. Es wurde extra eine Außenstelle der
Bahngesellschaft in Joachimsthal geschaffen. Es arbeiteten zu 2/3 Ausländer
wie Polen und Rumänen an der Strecke. 1898 wurde der Abschnitt
Eberswalde – Joachimsthal und zu Weihnachten 1898 der Abschnitt
Joachimsthal – Templin übergeben. Die Bahnhöfe Joachimsthal
und Werbellinsee (jetzt Kaiserbahnhof) wurden 1899 übergeben. Die
Gaststätte am Bahnhof Werbellin wurde durch Ausschreibung des Amtes
Britz an die Familie Falkenberg übergeben. Britz sollte zuerst
keinen Haltepunkt erhalten. Es kam zu einer Demonstration als sich der
Kaiser Wilhelm I. zur Jagd ansagte. Und siehe da, es wurde mit kaiserlichem
Befehl ein Haltepunkt gebaut.
Weiter gab es neue Sägewerke und Ziegeleien, unter anderem auch
die königliche Ziegelei am Werbellinsee. Hier wurden Formsteine
für die Schinkelbauten produziert. In Joachimsthal wurde das Ziegelamt
unter dem Bauingenieur Menzel gegründet, welches die Gütekontrolle
der Ziegel durchführte. Die königliche Ziegelei wurde 1900
abgerissen. Am Jägerberg 3 war das Wohnhaus dieser Pächter.
Hauswasseranschlüsse wurden erst Mitte der 50 – ziger Jahre
des 20. Jahrhunderts gelegt.
Ab 1900 gab es elektrische Straßenbeleuchtung in J. Die Bürger
wurden ebenfalls gehalten sich dieses Licht ins Haus zu holen. Gasanschluss
gab es erst nach 1990.
Wanderungen
- Nonnenfließ
- Naturschutzgebiet Breitefenn
- NSG Pinnowseen
- Preußen und der Finowkanal
- Kulturlandschaft bei Liepe
- Moorgeisterwanderung
- „Stadtsee“ bei Eberswalde
- Krugsee und Dachsweg
- Herthafließ
- „Tal der Liebe“
- „Gude, die Nixe vom Bachsee“
- Wassermühle Hohenfinow
und Kaisereiche - Froschmühle (Neue Mühle)
- Joachimsthal / Groß Ziethen
- Werbellinsee / Diebelsee
- NSG Buckowseerinne
- Großer Heilige See und Großer Hopfengartensee
- NSG Schwärzesee
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